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Definition

Soul Purpose bezeichnet das zeitgenössische spirituell-entwicklungsorientierte Konzept des individuellen Lebensbeitrags — die Kombination aus Lektionen, die man lernen soll, Gaben, die man entfalten soll, und Wirkung, die man hinterlassen soll. Das Konzept verbindet hinduistisches *dharma*, kabbalistisches *tikkun*, christliche *vocatio* und platonische Vorstellung der Seelenwahl vor der Inkarnation (*Mythos des Er*, ~375 v. Chr.). Die moderne Verwendung ist größtenteils eine Konstruktion des New Age der späten 1980er und 1990er Jahre.

Ausführliche Erklärung

Das Konzept arbeitet auf einer anderen Ebene als Karriereplanung oder Zielsetzung. Die zeitgenössische Synthese unterscheidet zwischen „was du tust“ (Beruf, Rolle) und „wer du sein sollst“ (Charakter, Gabe, Beitrag). Die Merkmale, die in der einschlägigen Literatur (Cope 2012, Hillman 1996, Myss 2001) am häufigsten genannt werden, sind: Tätigkeiten, die zuverlässig Flow-Zustände auslösen (die empirische Grundlage dafür liefert Csíkszentmihályis *Flow*, 1990); wiederkehrende Herausforderungen, mit denen man immer wieder konfrontiert wird; Fähigkeiten, die sich mit deutlich weniger Aufwand entwickeln als bei anderen; die Art von Hilfe, um die Fremde einen spontan bitten; und anhaltende emotionale Reaktionen — was einen verlässlich zu Tränen, Wut oder starkem Engagement bringt. Der eigentliche Wert des Konzepts liegt in den Fragen, die es aufwirft, nicht in einer metaphysischen Verpflichtung.

Geschichte & Ursprünge

Jede der beteiligten Quelltraditionen hat ihre eigene belegte Geschichte. Das hinduistische *dharma* als persönlicher Lebensweg wird in der *Bhagavad Gita*, Kapitel 2–3 (~2. Jahrhundert v. Chr.), dargelegt. Die kabbbalistische Lehre des *tikkun nefesh* (Seelenrektifikation) wurde von Isaac Luria (1534–1572) in Safed entwickelt und durch Chaim Vitals *Etz Chayim* (~1573) überliefert. Das christliche Konzept der persönlichen *vocatio* ist seit Augustinus dokumentiert und wurde in Calvins *Institutio* (1559) kodifiziert. Platons *Mythos des Er* (*Politeia*, Buch 10, ~375 v. Chr.) liefert den westlich-philosophischen Vorläufer der vorgeburtlichen Seelenwahl. Die zeitgenössische Synthese geht vor allem auf Autoren des späten 20. Jahrhunderts zurück: James Hillmans *The Soul's Code* (1996), Caroline Myss' *Sacred Contracts* (2001), Michael Newtons *Journey of Souls* (1994) und Steven Copes *The Great Work of Your Life* (2012).

Praktische Tipps

Lies Primärquellen aus mindestens zwei der beteiligten Traditionen, bevor du eine zeitgenössische Synthese übernimmst — Eknath Easwarans *Bhagavad Gita*-Übersetzung (1985) und James Hillmans *The Soul's Code* (1996) ergeben ein sinnvolles Paar. Für die praktische Arbeit bieten Caroline Myss' *Sacred Contracts* (2001) und Steven Copes *The Great Work of Your Life* (2012) strukturierte Übungen. Zwei Fragen sind meistens ergiebiger als das allgemeine Konzept: Zu welchen Tätigkeiten bist du über mindestens drei Lebensphasen hinweg immer wieder zurückgekehrt? Und um welche Art von Hilfe bitten dich Fremde spontan? Führe für beide Fragen drei Monate lang ein schriftliches Tagebuch, bevor du irgendeine Art von Zweckerklärung formulierst — drei vollständige Zyklen sind das Mindestmaß, um zu beurteilen, ob das Konzept dir wirklich etwas bringt.