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Definition

Die Hamsa ist ein handförmiges Amulett — meist eine geöffnete rechte Hand mit einem Auge in der Mitte — das in Kulturen des Nahen Ostens und Nordafrikas als Schutz gegen den bösen Blick verwendet wird. Es taucht im Judentum, im Islam und in verschiedenen Volksüberlieferungen unter unterschiedlichen Namen auf und gehört zu den bekanntesten Schutzsymbolen weltweit.

Ausführliche Erklärung

Die Hamsa schützt vor dem bösen Blick — dem Glauben, dass Neid oder üble Absichten einer Person, ihrer Familie oder ihrem Besitz tatsächlich schaden können. Die geöffnete Hand ist das zentrale Bild, und das in die Handfläche eingebettete Auge soll negative Blicke ablenken oder auffangen, bevor sie ihr Ziel erreichen. In der Kabbalah entsprechen die fünf Finger den fünf Büchern der Tora, und das Symbol steht für göttlichen Schutz. Im Islam heißt es Hand der Fatima (Khamsa), nach Fatima al-Zahra, der Tochter des Propheten Muhammad, und hat Schutz- und Segensfunktion. In der sephardischen jüdischen Tradition ist es mit dem hebräischen Buchstaben Schin und dem Gottesnamen Schaddai verbunden. Bei aller Verschiedenheit der Kontexte bleibt die Grundidee dieselbe: Das Auge erkennt die Bedrohung, bevor sie ankommt.

Geschichte & Ursprünge

Das Wort Hamsa leitet sich von der arabischen und hebräischen Wurzel für die Zahl fünf ab — *khamsa* auf Arabisch, *hamesh* auf Hebräisch — und bezieht sich auf die fünf Finger der Hand. Das handförmige Amulett selbst ist älter als der Islam und das rabbinische Judentum. Archäologische Funde belegen Handdarstellungen im antiken Karthago und in Phönizien, wo ein Handsymbol mit der Göttin Tanit in Verbindung gebracht wurde, wahrscheinlich bereits ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. Von dort verbreitete sich das Symbol über Nordafrika und die Levante und nahm dabei lokale Bedeutungen auf. Im Mittelalter war es in der jüdischen und islamischen Schutzpraxis im Maghreb und im Nahen Osten fest verankert. Die weite Verbreitung in der Neuzeit — auch als Schmuck und Wohndekoration — nahm im 20. Jahrhundert deutlich zu, nicht zuletzt durch mizrachische und sephardische jüdische Gemeinschaften, die die Tradition nach Israel und in die Diaspora mitbrachten.

Praktische Tipps

Wer die Hamsa als Schutzsymbol verwenden möchte: In der traditionellen Praxis spielt die Platzierung eine Rolle. Über einem Türrahmen aufgehängt, mit den Fingern nach unten zeigend, ist die verbreitetste Schutzposition in Häusern des Nahen Ostens. Als Anhänger getragen ist sie ebenfalls üblich — manche Traditionen unterscheiden dabei zwischen Fingern nach oben (für Glück) und Fingern nach unten (zum Abwehren von Schaden). Wer mehr lesen möchte: Trachtenbergs *Jewish Magic and Superstition* (1939) behandelt die Tradition des bösen Blicks ausführlich, und Raphael Patais *The Hebrew Goddess* geht auf die älteren nahöstlichen Wurzeln des Symbols ein. Wer die Hamsa vor allem ästhetisch ansprechend findet, aber nicht aus diesen Traditionen stammt, tut gut daran, ihre konkrete Schutzfunktion zu kennen — statt sie einfach als dekoratives Glückssymbol zu behandeln.