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Definition

Ein vielseitiges Aromakraut, das seit Jahrtausenden für seine beruhigenden, heilenden und schützenden Eigenschaften bekannt ist — in der Aromatherapie, Kräutermedizin und spirituellen Praxis gleichermaßen für Entspannung und Reinigung eingesetzt.

Ausführliche Erklärung

Lavendel (*Lavandula angustifolia* und verwandte Arten) ist das meistuntersuchte Kraut in der Aromatherapie. Sein Duft, der hauptsächlich aus Linalool und Linalylacetat besteht, aktiviert das parasympathische Nervensystem; kontrollierte Studien belegen moderate Wirkungen auf Angstzustände, Einschlafzeit und subjektiv empfundenen Stress. Die deutsche Kommission E hat Lavendel bei Unruhe und Schlafstörungen zugelassen; Silexan, ein standardisiertes orales Lavendelölpräparat, zeigte in einer Studie von Kasper et al. (*International Clinical Psychopharmacology*, 2014) eine mit Lorazepam vergleichbare Wirkung bei generalisierter Angststörung. In der spirituellen Praxis gilt Lavendel als sanft reinigendes Kraut. Er wird als Räuchermaterial verwendet — eine nachhaltigere Alternative zu wild geerntetem weißem Salbei —, in Baderituale eingebunden, unter Kopfkissen gelegt und in Schutzsäckchen verarbeitet. Die subjektiv wahrgenommenen Effekte auf Stimmung und Schlaf bewegen sich irgendwo zwischen belegter Pharmakologie und kontemplativer Praxis. Lavendelätherisches Öl gehört zu den wenigen, die in kleinen Mengen unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden können (vorher Verträglichkeitstest; bei wiederholter Anwendung kann eine Sensibilisierung eintreten). Äußerlich wird es bei kleinen Verbrennungen, Insektenstichen und Spannungskopfschmerzen eingesetzt. Als Tee unterstützt das Kraut bei leichten Verdauungsbeschwerden und hilft beim Abschalten vor dem Schlafen.

Geschichte & Ursprünge

Die medizinische Verwendung von Lavendel ist seit mehr als 2.500 Jahren belegt. Das deutsche Wort geht über das Englische auf das lateinische *lavare* („waschen“) zurück — ein Hinweis auf den römischen Brauch, Badewasser mit Lavendel zu versetzen, den Plinius der Ältere in der *Naturalis Historia* (77 n. Chr.) beschreibt. Ägyptischer Gebrauch bei der Mumifizierung ist durch Harzanalysen aus Gräbern des Neuen Reiches belegt (~ab 1550 v. Chr.), wo Lavendel unter den aromatischen Pflanzenmaterialien identifiziert wurde. Der griechische Arzt Dioskurides führte ihn in *De Materia Medica* (ca. 70 n. Chr.) unter dem Namen *nardus* auf. Im mittelalterlichen Europa bauten Klöster Lavendel in großem Umfang an — Hildegard von Bingens *Physica* (12. Jahrhundert) beschreibt seine Anwendungen ausführlich. Die moderne Aromatherapie-Bewegung beginnt mit René-Maurice Gattefossés zufälliger Entdeckung im Jahr 1910, dass Lavendelöl die Wundheilung bei Verbrennungen beschleunigte, dokumentiert in seinem *Aromathérapie* (1937). Der kommerzielle Großanbau in der Provence entwickelte sich ab dem späten 18. Jahrhundert; heute trägt Lavendel maßgeblich zur Wirtschaft der Départements Vaucluse und Drôme bei.

Praktische Tipps

Stell ätherisches Lavendelöl ans Bett — ein paar Tropfen auf Schläfen oder Handgelenke vor dem Einschlafen reichen. Wer Platz hat, pflanzt Lavendel im Garten oder auf dem Balkon, dann hat man immer frisches Kraut zur Hand. Getrockneter Lavendel lässt sich gut in Badesalzmischungen einarbeiten. Lavendelbündel als Räucherwerk sind eine mildere Alternative zu Salbei beim Ausräuchern von Räumen. Und für den Abend: ein einfacher Lavendeltee hilft beim Runterkommen, wenn der Kopf noch voll ist.