Weihrauch
Kräuterkunde & AromatherapieDefinition
Frankincense: aromatisches Harz, das aus Bäumen der Gattung *Boswellia* gewonnen wird (vor allem *B. sacra*, *B. carterii* und *B. serrata*) und als Räucherwerk und Oleoresin in mediterranen, afrikanischen und asiatischen Religionstraditionen verwendet wird. Das Harz und sein ätherisches Öl werden außerdem klinisch auf entzündungshemmende Wirkungen untersucht — verantwortlich dafür sind die enthaltenen Boswelliasäuren.
Ausführliche Erklärung
Frankincense gilt in Christianity, Islam, Judentum (Tempelweihrauch, *Exodus 30:34*), Buddhismus und Hinduismus als heilig und war ein zentrales Ritualmittel im altägyptischen Tempelkult. Das warme, balsamische Aroma verlangsamt die Atmung und löst eine messbare Entspannungsreaktion aus — das belegen olfaktorische Studien, und es erklärt, warum das Harz in so unterschiedlichen Traditionen als Meditationshilfe überlebt hat. In der Aromatherapie und als Nahrungsergänzung entfaltet Frankincense seine Wirkung über Boswelliasäuren. Klinische Studien mit *Boswellia serrata*-Extrakt (300–400 mg zweimal täglich) zeigen moderate Wirksamkeit bei Arthroseschmerzen und entzündlichen Darmerkrankungen (Sengupta et al., *Indian Journal of Pharmacology*, 2011; Kimmatkar et al., *Phytomedicine*, 2003). Die Krebsforschung zu AKBA (Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure) befindet sich Stand 2024 noch im präklinischen Stadium. Für rituelle Zwecke ist das auf Kohle verbrannte Harz die klassische Anwendung. Der Rauch gilt in den meisten Überlieferungstraditionen als Träger von Gebet und als Mittel zur Raumweihe. In modernen Engelspraktiken und Chakrasystemen wird Frankincense dem Kronen- und dem dritten Auge zugeordnet.
Geschichte & Ursprünge
Frankincense wurde entlang der *Incense Route* gehandelt, die Südarabien (das heutige Oman und Jemen) mit dem Mittelmeerraum verband — mindestens seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Das Königreich Saba (Scheba) kontrollierte einen Großteil dieses Handels. Der ägyptische Tempelgebrauch ist aus dem Neuen Reich belegt: Hatschepsut schickte um 1493 v. Chr. eine Expedition nach Punt, die auf den Wänden ihres Totentempels in Deir el-Bahri festgehalten ist und lebende Myrrhe- und Weihrauchbäume zurückbrachte. Die hebräische Bibel nennt Frankincense in der Tempelweihrauchrezeptur (*Exodus 30:34*, in der Texttradition auf das 13.–6. Jahrhundert v. Chr. datiert). Die Gaben der Weisen in *Matthäus 2:11* (ca. 80–90 n. Chr.) umfassen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die moderne pharmakologische Erforschung von *Boswellia serrata* geht auf H.P.T. Ammons deutsche Studien ab den 1980er-Jahren zurück.
Praktische Tipps
Für rituelle Anwendungen das Harz — kein synthetisches Räucherstäbchen — auf Bambus- oder Schnellzündkohle in einem hitzebeständigen Räuchergefäß oder einer sandbefüllten Schale verbrennen. Richtig erhitzt erzeugt das Harz sauberen Rauch; zu starke Hitze verbrennt es nur. Das ätherische Öl eignet sich gut für die Kaltdiffusion beim Meditieren — 3–5 Tropfen in einen 100-ml-Diffuser. Für die Hautanwendung auf 1–2 % in einem Trägeröl verdünnen (Jojobaöl ist der Standard), bevor man es auf Stirn oder Schläfen aufträgt. Frankincense und Myrrhe zusammen ist die klassische mediterrane Liturgiemischung. Als Nahrungsergänzung hat *Boswellia serrata*-Extrakt (5-Loxin oder AKBA-standardisiert) bei 300–400 mg zweimal täglich dokumentierte entzündungshemmende Wirkung — bei Blutverdünnern, NSAIDs oder in der Schwangerschaft vorher ärztlichen Rat einholen. Für ethisch gewonnenes omanisches *Boswellia sacra*-Harz sind Mountain Rose Herbs und Sacred Frankincense verlässliche Bezugsquellen.
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