Rider-Waite-Smith-Deck
Tarot & WahrsagereiDefinition
Das Rider-Waite-Smith Deck ist ein Tarot-Kartenset mit 78 Karten, das im Dezember 1909 vom Londoner Verlag Rider & Company veröffentlicht wurde. Die Illustrationen stammen von Pamela Colman Smith, die unter der Anleitung des Okkultisten A.E. Waite arbeitete. Es war das erste Tarot-Deck, bei dem alle 78 Karten — einschließlich der 56 Kleinen Arkana — vollständig illustrierte Szenen zeigten, statt nur wiederholter Symbole.
Ausführliche Erklärung
Was das RWS-Deck zum Standard gemacht hat, ist die Illustration der Pip-Karten. Vor 1909 zeigten die meisten Decks auf einer Sieben-Kelche-Karte einfach sieben Kelche — keine Figuren, keine Szene, keine Geschichte. Smith hat das geändert. Jede Karte bekam ein Bild: eine Person, einen Moment, eine Situation, die man intuitiv lesen kann, ohne seitenlange Bedeutungslisten auswendig zu lernen. Die 22 Großen Arkana folgen einem Erzählbogen vom Narren bis zur Welt. Die 56 Kleinen Arkana sind in vier Farben aufgeteilt — Stäbe, Kelche, Schwerter, Pentakel — jeweils mit nummerierten Karten und vier Hofkarten (Bube, Ritter, Königin, König). Smiths Bildsprache ist so prägend geworden, dass die meisten modernen Decks darauf aufbauen — wer das RWS-Symbolsystem kennt, kann damit direkt Hunderte anderer Decks lesen.
Geschichte & Ursprünge
Arthur Edward Waite war Mitglied des Hermetic Order of the Golden Dawn, der spätviktorianischen Okkultgesellschaft, die einen Großteil der westlichen esoterischen Praxis systematisiert hat. Er beauftragte Pamela Colman Smith — ebenfalls Golden-Dawn-Mitglied und freischaffende Künstlerin — mit der Illustration des Decks. Smith zeichnete alle 78 Karten in weniger als einem Jahr, offenbar nach schriftlichen Anweisungen von Waite, und das Deck erschien im Dezember 1909 beim Londoner Verlag William Rider & Son. Den größten Teil des 20. Jahrhunderts wurde es als Rider Tarot oder Rider-Waite verkauft; Smiths Name verschwand aus den kommerziellen Ausgaben, bis Forscher wie Stuart Kaplan darauf drängten, ihn wiederherzustellen. Die vollständige Bezeichnung „Rider-Waite-Smith“ setzte sich in akademischen und Sammlerkreisen in den 1990er und 2000er Jahren durch.
Praktische Tipps
Wer neu anfängt, ist mit dem RWS-Deck selbst — oder einem engen Klon wie dem Universal Waite — am besten bedient, weil fast jedes Tarot-Buch auf Englisch seine Bildsprache als Referenz verwendet. Rachel Pollacks *Seventy-Eight Degrees of Wisdom* (1980) ist nach wie vor die gründlichste Karte-für-Karte-Analyse, die es gibt. Mary K. Greers *Tarot for Your Self* zeigt, wie man über Journaling-Übungen eine persönliche Beziehung zu den Karten aufbaut, statt nur Bedeutungen zu pauken. Für kostenlose digitale Ressourcen nutzen Labyrinthos und Biddy Tarot beide RWS-basierte Bildsprache in ihren Kartenbibliotheken — was du dort lernst, lässt sich direkt auf ein physisches Deck übertragen.
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