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Definition

Das Kelch-Ass gehört zu den vier Farben eines klassischen Tarot-Decks mit 78 Karten und steht in der westlichen hermetischen Tradition für das Element Wasser. Es deckt die emotionalen und zwischenmenschlichen Seiten des Lebens ab — Liebe, Trauer, Intuition, Vorstellungskraft und die innere Welt. In der elementaren Tarot-Theorie steht die Kelch-Farbe neben Stäben (Feuer), Pentakeln (Erde) und Schwertern (Luft).

Ausführliche Erklärung

Die Kelch-Farbe umfasst 14 Karten: Ass bis Zehn, dazu vier Hofkarten — Bube, Ritter, Königin und König. Das Ass der Kelche zeigt eine emotionale Öffnung an, eine neue Beziehung oder einen kreativen Schub — die Farbe in ihrer ungeschütztesten Form. Die Drei der Kelche taucht rund um Freundschaft, Feiern und gemeinsame Freude auf. Die Fünf der Kelche ist die Karte, vor der viele ein bisschen zurückschrecken: Trauer, Bedauern, das Starren auf das, was verloren ist — während hinter dir noch zwei Kelche stehen. Die Hofkarten dieser Farbe beschreiben oft emotional feinfühlige Menschen oder genau diesen Teil der eigenen Persönlichkeit. Astrologisch entspricht die Kelch-Farbe den drei Wasserzeichen — Krebs, Skorpion und Fische — was gut zu den Themen der Farbe passt: tief fühlen, Erinnerungen tragen, navigieren was unter der Oberfläche liegt.

Geschichte & Ursprünge

Die Vier-Farben-Struktur, die das Tarot übernahm, geht auf Mamlukische Spielkarten zurück, die im 14. Jahrhundert in Ägypten und der islamischen Welt kursierten. Diese Decks verwendeten Kelche, Polostäbe, Münzen und Schwerter — Farben, die über mediterrane Handelswege nach Europa gelangten und Ende des 14. Jahrhunderts in Italien und Spanien ankamen. Italienische Tarocchi-Decks behielten den Kelch von Anfang an als Farbe. Französische Kartenmacher passten die Farben später an ihre regionalen Konventionen an, aber der Kelch überstand den Übergang unbeschadet. Das Rider-Waite-Smith-Deck von 1909, entworfen von Pamela Colman Smith unter Arthur Edward Waite, vereinheitlichte die englischen Farbbezeichnungen und führte vollständig illustrierte Zahlenkarten ein — die Version, mit der die meisten Menschen heute arbeiten.

Praktische Tipps

Wenn die Kelche in deinen Tarot-Deutungen immer wieder auftauchen, lohnt es sich, die Farbe systematisch durchzuarbeiten statt Karte für Karte. Rachel Pollacks *Seventy-Eight Degrees of Wisdom* (1980) ist nach wie vor die gründlichste Auseinandersetzung mit der emotionalen Logik dieser Farbe. Mary K. Greers *Tarot for Yourself* (1984) bietet Journaling-Strukturen, die besonders gut mit Kelch-Karten funktionieren. Joan Bunnings *Learning the Tarot*, kostenlos online auf learntarot.com verfügbar, erklärt jede Karte ohne mystischen Überbau. Ein konkreter Einstieg: Nimm nur die 14 Kelch-Karten aus deinem Deck und lege sie der Reihe nach vom Ass bis zum König aus. Schau, wo der emotionale Bogen kippt — das sagt dir viel darüber, wie die Farbe aufgebaut ist.