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Therapeutische Berührung

Energie & Heilung

Definition

Therapeutic Touch ist eine pflegebasierte Energieheilmethode, die 1972 von Dolores Krieger und Dora Kunz entwickelt wurde. Die Behandelnden erspüren und beeinflussen das Energiefeld der Patientin oder des Patienten durch Handbewegungen knapp über dem Körper — ohne direkten Körperkontakt.

Ausführliche Erklärung

Therapeutic Touch (TT) wurde gezielt für den medizinischen Alltag entwickelt und gehört damit zu den am häufigsten angewandten und wissenschaftlich untersuchten Energieheilverfahren im klinischen Umfeld. Die behandelnde Person sammelt sich zunächst innerlich, fährt dann langsam mit den Händen in einem Abstand von etwa fünf bis fünfzehn Zentimetern über den Körper und achtet dabei auf Stellen, die sich anders anfühlen — wärmer, kühler, kribbelig oder irgendwie anders als der Rest. Anschließend wird das Feld durch gezielte Handbewegungen ausgeglichen. Der Ablauf gliedert sich in vier Phasen: Zentrierung (die behandelnde Person bringt sich in einen ruhigen, konzentrierten Zustand), Befunderhebung (Abtasten des Energiefeldes), Intervention (Auflösen von Blockaden, Zuführen von Energie in erschöpfte Bereiche) und Auswertung (erneute Überprüfung des Feldes). Mehr als hundert Studien haben TT untersucht. Wiederkehrende Befunde: weniger Angst, geringere Schmerzwahrnehmung, schnellere Wundheilung, reduzierter Schmerzmittelbedarf und messbare Veränderungen bei Hämoglobinwerten und Immunmarkern. TT wird in Krankenhäusern in ganz Nordamerika eingesetzt und ist Bestandteil mehrerer Pflegestudiengänge.

Geschichte & Ursprünge

Therapeutic Touch wurde 1972 von Dolores Krieger (1921–2018), Pflegeprofessorin an der New York University, gemeinsam mit Dora Kunz (1904–1999), Präsidentin der Theosophical Society in America und nach eigener Aussage naturgegebene Hellseherin, entwickelt. Das grundlegende Werk ist Kriegers *The Therapeutic Touch: How to Use Your Hands to Help or to Heal* (1979); die Methode wurde zunächst in das Pflegecurriculum der NYU aufgenommen und von dort in weitere amerikanische Pflegeprogramme übernommen. Die zugehörige Berufsorganisation, die Nurse Healers-Professional Associates International — heute Therapeutic Touch International Association, gegründet 1977 — ist bis heute die zentrale Fachstelle. Die bekannteste kritische Untersuchung stammt von Emily Rosa: 1996 im Alter von neun Jahren durchgeführt und 1998 im *JAMA* veröffentlicht (Rosa, Rosa, Sarner & Barrett). In einem kontrollierten Versuch sollten 21 erfahrene TT-Praktizierende durch eine Trennwand hindurch erkennen, über welcher Hand ein menschliches Energiefeld vorhanden sei — sie lagen in 44 % der Fälle richtig, also nicht besser als der Zufall. Das hat in der akademischen Medizin zu erheblichem Zweifel an der Grundannahme der Methode geführt, auch wenn TT in der Hospiz- und onkologischen Begleitversorgung weiterhin praktiziert wird. Cochrane-Reviews (O'Mathuna 2016) kamen zu dem Schluss, dass die Evidenz für einen Nutzen über den Placeboeffekt hinaus schwach ist.

Praktische Tipps

Wer als Pflegefachkraft eine Ausbildung in Betracht zieht: Die Therapeutic Touch International Association (TTIA) führt eine aktuelle Liste akkreditierter Kurse und Qualifikationsstandards. Sinnvoll ist es, sowohl Kriegers Grundlagenwerk *The Therapeutic Touch* (1979) als auch die kritische Studie (Rosa et al., *JAMA*, 1998) zu lesen, bevor man sich festlegt — wer die Kritik kennt, kann ehrlicher mit der Methode umgehen. TT eignet sich als entspannungsorientierte Ergänzungsmaßnahme, nicht als Ersatz für medizinische Diagnose oder Behandlung schwerer Erkrankungen; das ist auch die offizielle Position der TTIA. Für den privaten Gebrauch ohne klinischen Hintergrund lassen sich die Zentrierungs- und Erdungsübungen aus Kriegers Buch gut eigenständig nutzen — sie überschneiden sich ohnehin mit allgemeiner Achtsamkeitspraxis.