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Definition

Ein dreidimensionales Sterntetraeder — zwei ineinandergreifende Pyramiden — das in esoterischen Traditionen als Licht-Geist-Körper-Vehikel für interdimensionale Reisen, Schutz und spirituellen Aufstieg gilt.

Ausführliche Erklärung

Das Merkaba besteht aus zwei gleich großen Tetraedern, die ineinandergreifen und sich gegenläufig um eine gemeinsame Achse drehen — das sogenannte Sterntetraeder. Ein Tetraeder zeigt nach oben, einer nach unten; zusammen bilden sie das dreidimensionale Gegenstück zum Davidstern. Die Geometrie selbst ist ein reales mathematisches Objekt, das unabhängig von jeder esoterischen Deutung untersucht wird. Das moderne New-Age-Konzept wurde von Drunvalo Melchizedek in *The Ancient Secret of the Flower of Life* (Bd. I 1990, Bd. II 2000) ausgearbeitet. Er schlägt die Etymologie „Mer = Licht, Ka = Geist, Ba = Körper“ vor und beschreibt das Merkaba als ein gegenläufig rotierendes Energiefeld, das durch eine 17-Atem-Meditation aktiviert werden kann. Diese Etymologie ist ägyptologisch nicht belegt: Das altägyptische *ka* (Lebenskraft) und *ba* (Persönlichkeitsseele) sind gut dokumentierte Jenseitskonzepte, aber „Mer“ ist kein belegtes ägyptisches Wort für Licht — Ägyptologen nennen dafür *aakhu* oder *shu*. „Merkaba“ als zusammengesetzter Begriff stammt aus dem Hebräischen, nicht aus dem Ägyptischen. Beide Lesarten — die hebräisch-biblische und die New-Age-Variante — existieren nebeneinander und beziehen sich auf unterschiedliche Quellen. Die Merkaba-Meditation, wie sie seit den 1990er Jahren in Workshops praktiziert wird, umfasst bestimmte Atemübungen, Mudras und Visualisierungen, die die beiden Tetraeder in entgegengesetzte Rotation versetzen sollen. Praktizierende berichten von einem Gefühl erweiterter Wahrnehmung; extern gemessen wurde das nicht.

Geschichte & Ursprünge

Das hebräische Wort *merkavah* (מֶרְכָּבָה, „Streitwagen“) taucht in der Hebräischen Bibel auf — am einflussreichsten in Ezechiel 1 (ca. 593–571 v. Chr.), der Vision des Propheten von Rädern in Rädern und vier Lebewesen. Die *Merkavah-Mystik*, die früheste dokumentierte jüdische Mystiktradition, entstand aus der Kontemplation dieser Vision; die *Hekhalot*- und *Merkavah*-Texte werden auf etwa 200 v. Chr. bis 700 n. Chr. datiert und sind in Peter Schäfers *Synopse zur Hekhalot-Literatur* (1981) katalogisiert. Gershom Scholems *Major Trends in Jewish Mysticism* (1941) gilt als Standardwerk für den wissenschaftlichen Einstieg. Das moderne New-Age-Merkaba — das Sterntetraeder, das rotierende Energiefeld, die ägyptische Etymologie und die 17-Atem-Aktivierung — ist eine eigenständige Konstruktion des amerikanischen Lehrers Drunvalo Melchizedek, entstanden in seinen *Flower of Life*-Workshops ab 1985 und in den beiden Bänden von *Ancient Secret of the Flower of Life* (1990, 2000). Bob Frissells *Nothing in This Book Is True, But It's Exactly How Things Are* (1994) trug zur weiteren Verbreitung bei. Die Verbindung zwischen dem biblischen Streitwagen und dem Sterntetraeder ist Melchizedeks eigene Behauptung — kein Ergebnis ägyptologischer oder bibelwissenschaftlicher Forschung.

Praktische Tipps

Wer die New-Age-Praxis kennenlernen möchte, findet die kanonische 17-Atem-Merkaba-Meditation in Drunvalo Melchizedeks *The Ancient Secret of the Flower of Life* (Bd. II, 2000) — das ist die primäre Quelle, und es lohnt sich, sie auf ihren eigenen Anspruch hin zu lesen. Wer sich für die hebräisch-mystische Lesart interessiert, greift zu Gershom Scholems *Major Trends in Jewish Mysticism* (1941) und Peter Schäfers *The Hidden and Manifest God* (1992) — dort geht es um die Kontemplation der Ezechiel-Vision, nicht um Atemübungen. Ein guter Einstieg ist die Geometrie selbst: Bau ein Sterntetraeder aus Karton oder Draht und sitz zehn Minuten damit vor dir. Die Form ist eine reale platonische Verbindung aus zwei Tetraedern mit Eckpunkten auf einem Würfel — das zu verstehen, bevor man Deutungsschichten hinzufügt, macht einen echten Unterschied.