Zurück zu Rituale & Zeremonien

Definition

Samhain (ausgesprochen SOW-in oder SAH-win) ist ein keltisches Fest, das von Sonnenuntergang am 31. Oktober bis zum 1. November begangen wird. Es markiert das Ende der Erntezeit und den Beginn des Winters. In Wicca und im zeitgenössischen Heidentum gilt es als eines der acht Sabbate auf dem Rad des Jahres — und als die Nacht, in der die Grenze zwischen Lebenden und Toten am dünnsten ist.

Ausführliche Erklärung

Wer Samhain begeht, richtet oft ein sogenanntes Stilles Abendmahl aus — eine schweigende Mahlzeit, bei der ein Platz für verstorbene Angehörige gedeckt wird. Kerzen werden entzündet, um Geister zu leiten, Feuer werden entfacht oder gemeinsam umkreist. Altäre werden mit Fotos der Toten, saisonalen Dingen wie Kürbissen und Granatäpfeln sowie Symbolen des Übergangs — Totenköpfe, Sanduhren — geschmückt. Wahrsagung gehört fest dazu: Tarot-Deutungen, Scrying mit Spiegel oder Wasser, Runen werfen. In Covens wird ein Ritualkreis gezogen, die Toten werden namentlich angerufen, und der Gott in seinem sterbenden Aspekt geehrt. Wer allein praktiziert, nutzt die Nacht oft für Ahnenarbeit — Briefe an Verstorbene schreiben, sie als Opfergabe verbrennen oder einfach still mit einer Kerze sitzen.

Geschichte & Ursprünge

Samhain ist altirisch und bedeutet in etwa „Ende des Sommers“. Das Wort taucht in mittelalterlichen irischen Texten auf, darunter die *Táin Bó Cúailnge* und die *Cath Maige Tuired*, was das Fest fest in der vorchristlichen irischen Kultur des mindestens 9. Jahrhunderts n. Chr. verankert. Es markierte einen liminalen Wendepunkt im keltischen Kalender: Das Vieh wurde von den Sommerweiden hereingeholt, ein Teil für den Winter geschlachtet. Die christliche Kirche übernahm das Datum schrittweise — Papst Gregor III. legte Allerheiligen im 8. Jahrhundert auf den 1. November, Allerseelen am 2. November folgte bis zum 10. Jahrhundert. Die moderne Wicca-Version wurde von Gerald Gardner in den 1950ern geprägt und als Teil des Acht-Sabbate-Rades des Jahres kodifiziert, das zwischen etwa 1958 und den frühen 1960ern durch Ross Nichols und Aidan Kelly entstand. Margot Adler dokumentiert die breitere neuheidnische Bewegung in *Drawing Down the Moon* (1979).

Praktische Tipps

Scott Cunninghams *Wicca: A Guide for the Solitary Practitioner* (1988) enthält einen unkomplizierten Samhain-Ritualrahmen, der auch ohne Coven gut funktioniert. Starhawks *The Spiral Dance* (1979) bietet ein vollständiges Gruppenritual mit Gesängen und einem strukturierten Stillen Abendmahl. Wer mehr über den historischen Hintergrund verstehen will, findet bei Margot Adlers *Drawing Down the Moon* soliden Kontext dazu, wie moderne Heiden das Fest tatsächlich begehen — jenseits der populären Vorstellung davon. Ein einfacher Einstieg: Fotos von Menschen, die du verloren hast, aufstellen, für jeden eine Kerze anzünden und ein paar Minuten in Stille bei ihnen sitzen, bevor der Abend weitergeht. Kein aufwendiges Setup nötig.