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Definition

Wicca ist eine moderne pagane Religion, die in England von Gerald Gardner begründet wurde — öffentlich eingeführt mit seinem 1954 erschienenen Buch *Witchcraft Today*. Im Mittelpunkt stehen die Verehrung einer Göttin und eines Gehörnten Gottes, jahreszeitliche Rituale (sogenannte Sabbate) sowie die Ausübung von Magie innerhalb eines ethischen Rahmens. Wicca ist kein Überrest alter Hexerei, sondern wurde in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts bewusst konstruiert.

Ausführliche Erklärung

Der Ritualkalender von Wicca gliedert sich in acht Sabbate — das sogenannte Rad des Jahres — die Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen und vier Zwischentage markieren. Daneben feiern Praktizierende Esbate, die meist auf den Vollmond fallen. Die Kosmologie der Religion dreht sich um eine duale Gottheit: eine Göttin, die mit Mond und Erde verbunden ist, und einen Gehörnten Gott, der für Wildnis und Jagd steht. Die meisten Wiccas folgen dem Wiccan Rede, einer kurzen ethischen Aussage, die sich auf „schade niemandem“ verdichten lässt. Covens — kleine initiierte Gruppen — waren die traditionelle Organisationsform, aber seit den 1970er Jahren hat sich die Einzelpraxis weit verbreitet. Zu den Ritualobjekten gehören das Athame (ein zweischneidiges Messer), der Zauberstab, der Kelch und das Pentakel. Magie wird dabei als Arbeit mit natürlichen Kräften verstanden, nicht als übernatürliches Eingreifen.

Geschichte & Ursprünge

Gerald Gardner, britischer Kolonialbeamter und Hobbyfolklorist, behauptete, 1939 in einen noch lebendigen Hexenzirkel im New Forest eingeweiht worden zu sein — eine Behauptung, die Ronald Hutton in *Triumph of the Moon* (1999) gründlich als historisch unhaltbar widerlegte. Gardner veröffentlichte *Witchcraft Today* 1954 und *The Meaning of Witchcraft* 1959 und verschaffte der Religion damit öffentliche Sichtbarkeit. Seine frühe Liturgie schöpfte stark aus Aleister Crowleys Ritualtexten, der Freimaurerei und Margaret Murrays (inzwischen widerlegter) Hexenkult-Hypothese. Doreen Valiente, 1953 von Gardner initiiert, überarbeitete einen Großteil seiner ursprünglichen Liturgie — sie verfasste die *Charge of the Goddess*, den meistgenutzten Andachtstext der Religion. Die Alexandrinische Tradition, von Alex Sanders in den 1960er Jahren gegründet, weitete Wiccas Reichweite in Großbritannien aus. Raymond Buckland brachte die Religion 1964 in die Vereinigten Staaten.

Praktische Tipps

Ronald Huttons *Triumph of the Moon* (1999) ist der beste Einstieg — eine sorgfältige akademische Geschichte, die weder unkritisch mythologisiert noch abwertend vereinfacht. Doreen Valientes *Witchcraft for Tomorrow* (1978) gibt dir die Tradition aus der Perspektive einer ihrer eigentlichen Gestalterinnen. Für das Rad des Jahres in der Praxis bietet Marian Greens *A Witch Alone* eine solide Einführung in die Einzelpraxis ohne Coven-Struktur. Wer Primärquellen lesen möchte, findet in Gardners *Witchcraft Today* einen kurzen, gut lesbaren Einstieg. Margot Adlers *Drawing Down the Moon* (1979, überarbeitet 1986) zeichnet das breitere amerikanische Pagan-Umfeld nach, das Wicca mitgeprägt hat.