Heidentum
Mythologie & VolksüberlieferungDefinition
Paganism ist ein Sammelbegriff für moderne polytheistische und naturbezogene Religionen außerhalb der abrahamitischen Traditionen. Darunter fallen sehr unterschiedliche Wege — Wicca, Druidry, Heathenry, Hellenischer Rekonstruktionismus und andere — die meisten davon mit einem gemeinsamen Kern: Ehrfurcht vor der Natur, mehrere Gottheiten und ein zyklisches Verständnis von Zeit und Kosmos.
Ausführliche Erklärung
Was diese Traditionen verbindet, ist eher struktureller als inhaltlicher Natur. Die meisten paganen Wege erkennen mehrere Gottheiten oder göttliche Kräfte an statt eines einzigen Gottes, richten ihre Ritualpraxis am Naturkalender aus — Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen, Mondzyklen — und betrachten die physische Welt als heilig, nicht als gefallen. Wicca arbeitet mit einer Gott-Göttin-Polarität und einem rituellen Rahmen, der Mitte des 20. Jahrhunderts ausgearbeitet wurde. Druidry dreht sich um die Beziehung zu Land, Vorfahren und bardischer Tradition. Heathenry rekonstruiert nordische und germanische Religionspraxis aus mittelalterlichen Quellen. Der Hellenische Rekonstruktionismus schöpft aus der antiken griechischen Religion. Das sind eigenständige Wege mit unterschiedlichen Kosmologien, Texten und Praktiken — Paganism ist die Kategorie, nicht die Religion selbst. Viele Praktizierende arbeiten auch mit Magie als rituellem Werkzeug, wobei das je nach Tradition sehr unterschiedlich aussieht.
Geschichte & Ursprünge
Das Wort „pagan“ kommt vom lateinischen *paganus*, was so viel bedeutet wie „Landbewohner“ oder „Zivilist“ — ab etwa dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde es zum christlichen Schimpfwort für alle, die sich nicht hatten taufen lassen. Als Selbstbezeichnung ist der Begriff weitgehend eine Rückeroberung des 20. Jahrhunderts. Gerald Gardners Wicca, formalisiert in seinem 1954 erschienenen Buch *Witchcraft Today*, war eine der ersten organisierten modernen paganen Religionen im englischsprachigen Raum. Den breiteren paganen Aufschwung dokumentierte Margot Adler in *Drawing Down the Moon* (1979), einer Bestandsaufnahme der Bewegung in Nordamerika, die auf Interviews mit Praktizierenden basiert. Ronald Huttons Forschung — insbesondere *Triumph of the Moon* (1999) — legte den akademischen Rahmen dafür fest, modernes Paganism als genuines Phänomen der Moderne zu verstehen, nicht als direkte Fortsetzung vorchristlicher Praxis, was lange behauptet worden war, historisch aber nicht haltbar ist.
Praktische Tipps
Fang mit der Geschichte an, bevor du dich in die Praxis stürzt. Margot Adlers *Drawing Down the Moon* ist nach wie vor die lesbarste Übersicht darüber, wie modernes Paganism tatsächlich entstanden ist — sie lässt Praktizierende selbst zu Wort kommen, statt von außen zu theoretisieren. Ronald Huttons *Triumph of the Moon* liefert den historischen Kontext, besonders hilfreich für alle, denen erzählt wurde, Wicca sei eine ununterbrochene alte Tradition — das stimmt nicht, und Hutton erklärt genau, was es stattdessen ist. Wenn dich ein bestimmter Weg anzieht — Heathenry, Hellenischer Rekonstruktionismus, Druidry — such dir traditionssspezifische Quellen statt allgemeiner „Paganism für Einsteiger“-Bücher, die die echten Unterschiede zwischen diesen Wegen meist einebnen.
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