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Definition

Norse Mythology ist die vorchristliche religiöse und kosmologische Überlieferung der skandinavischen und germanischen Völker — mit Göttern wie Odin, Thor, Freyja und Loki, einer Neun-Welten-Kosmologie, die vom Weltenbaum Yggdrasil zusammengehalten wird, und einem zyklischen Zeitverständnis, das im Ragnarök endet. Überliefert ist sie vor allem durch zwei isländische Texte aus dem 13. Jahrhundert: die Prosa-Edda und die Poetische Edda.

Ausführliche Erklärung

Die Kosmologie gliedert die Welt in neun Reiche entlang des Yggdrasil — Asgard (Heimat der Asen-Götter), Midgard (die Menschenwelt), Jotunheim (die Riesen), Helheim (die Totenwelt) und fünf weitere. Die Götter teilen sich in zwei Gruppen: die Asen unter Odin und die Wanen, zu denen Freyja und Freyr gehören und die vor allem mit Fruchtbarkeit verbunden sind. Das Schicksal zieht sich durch die gesamte Überlieferung — die Nornen Urd, Verdandi und Skuld weben das Schicksal am Fuß des Yggdrasil, und selbst die Götter kommen dem Ragnarök nicht aus, dem letzten Kampf, der die Welt vernichtet und neu erschafft. Odin opferte ein Auge an Mimirs Brunnen, um Weisheit zu erlangen, und hing neun Tage am Yggdrasil, um die Runen zu empfangen. Wer im Kampf fiel, konnte in Walhall landen — Odins Halle, wo die Einherjar auf den Ragnarök warten.

Geschichte & Ursprünge

Die Mythen selbst sind älter als jede Schriftlichkeit und wurden mündlich durch Skandinavien und die germanischen Gebiete weitergegeben — mindestens seit der Völkerwanderungszeit im 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse sind Runeninschriften aus etwa dem 2. Jahrhundert n. Chr., doch die ausführlichste Dokumentation entstand erst viel später. Snorri Sturluson, ein isländischer Gelehrter und Politiker, stellte die Prosa-Edda um 1220 n. Chr. als Handbuch für Skalden zusammen und bewahrte damit mythologische Erzählungen, die unter dem Einfluss des Christentums bereits verblassten. Die Poetische Edda — eine Sammlung älterer nordischer Gedichte — ist im Codex Regius überliefert, der auf etwa 1270 n. Chr. datiert wird, obwohl die Gedichte selbst älter sind. Die moderne Heathenry-Bewegung und Asatru, die diese Quellen als Grundlage für eine rekonstruierte Religionspraxis nutzen, entstanden hauptsächlich in den 1970er Jahren; die Asatru Free Assembly wurde 1972 in den USA gegründet.

Praktische Tipps

Carolyne Larringtons Übersetzung der Poetischen Edda (Oxford World's Classics, überarbeitete Ausgabe 2014) ist für Einsteiger die zugänglichste wissenschaftliche Edition. Anthony Faulkes' Übersetzung der Prosa-Edda (Everyman, 1987) umfasst Snorris vollständigen Text mit hilfreichen Anmerkungen. Für historischen Kontext ist John Lindows *Norse Mythology: A Guide to the Gods, Heroes, Rituals, and Beliefs* (2001) eine solide Referenz. Wer verstehen möchte, wie sich die moderne Heathenry-Bewegung entwickelt hat — und wo sie von den mittelalterlichen Quellen abweicht — findet bei Galina Krasskova und Raven Kaldera Einblicke in die rekonstruktionistische Seite, während akademische Werke wie Rudolf Simeks *Dictionary of Northern Mythology* die philologische Grundlage liefern.