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Definition

Mythical Creatures sind nicht existierende Tiere — Drachen, Phönixe, Einhörner, Greife, Basilisken, Kitsune, der Donnervogel —, die in dokumentierten mythologischen Traditionen und Volksüberlieferungen mindestens seit der Bronzezeit immer wieder auftauchen. Wissenschaftlich untersucht werden sie in der vergleichenden Mythologie (Joseph Campbell, Mircea Eliade), der Folkloristik und im Aarne-Thompson-Uther-Märchentypindex. In ihren Herkunftstraditionen dienen sie als religiöse Symbole, Erzählelemente, Taxonomien unbekannter Länder und Erklärungen für Naturphänomene.

Ausführliche Erklärung

Mythische Wesen erfüllen in ihren Herkunftstraditionen ganz unterschiedliche Funktionen — eine Unterscheidung, die die moderne Sammelkategorie oft verwischt. Manche entstammen theriomorphen Gottheiten oder göttlichen Boten: der ägyptische Bennu-Vogel wurde später von den Griechen zum Phönix umgeformt, wie er bei Herodot in den *Histories* 2.73 (~440 v. Chr.) beschrieben wird. Andere sind taxonomische Platzhalter für Tiere, die man vom Hörensagen kannte, aber nie direkt beobachtet hatte — das mittelalterliche europäische Einhorn entspricht verzerrten Reiseberichten über Nashorn und Oryx. Wieder andere haben eine erklärende Funktion: Der chinesische Drache (*long*, 龍) steht in Verbindung mit Regen und Flüssen und taucht in tatsächlichen kaiserlichen Wettergebetsritualen auf — den *fenglongshen*-Opfern der Han-Dynastie, überliefert im *Buch der Han* (~111 n. Chr.). Das kulturübergreifende Wiederauftauchen bestimmter Formen — geflügelte Schlangen, sturmerzeugende Himmelsvögel, weltumspannende Schlangen — erklärt die Forschung auf zwei Wegen: durch den Diffusionismus (etwa die Verbreitung von Drachenikonografie entlang der Seidenstraße) und durch den Jungschen bzw. strukturalistischen Ansatz (angeborene archetypische Formen, die unabhängig voneinander auftauchen). Beide Erklärungen haben ihre Berechtigung; wo direkter Kulturkontakt nachgewiesen ist, ist Diffusion die sparsamere Erklärung.

Geschichte & Ursprünge

Die frühesten dargestellten Therianthropen — löwenköpfige Menschenfiguren und vogelköpfige Schamanen — sind der Löwenmensch von Hohlenstein-Stadel (~40.000 v. Chr.) und der vogelköpfige Mann im Schacht von Lascaux (~17.000 v. Chr.). Mesopotamische Rollsiegel aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. zeigen Greife, Stiermensch-Figuren und den löwenköpfigen Anzû. Die griechische Mythologie systematisierte das Bestiarium: Hesiods *Theogonie* (~700 v. Chr.) nennt die Chimäre, die Hydra, Kerberos und die Sphinx; Plinius der Ältere behandelt in seiner *Naturalis Historia* (~77 n. Chr.) Einhörner und Manticore als zoologische Einträge neben Elefanten. Der mittelalterliche lateinische *Physiologus* (~2.–4. Jahrhundert n. Chr., in zahlreichen Übersetzungen erhalten) und seine Nachfolger — das *Aberdeen Bestiary* (~1200 n. Chr.) und das *Bestiaire d'Amour* von Richard de Fournival (~1245) — verknüpften jedes Wesen mit christlicher Morallehre. Ostasiatische Quellen sind ebenso konkret: Das chinesische *Klassische Buch der Berge und Meere* (*Shanhaijing*, zusammengestellt 4. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr.) katalogisiert Hunderte mythischer Wesen. Die moderne Forschung reicht von Joseph Campbells *The Hero with a Thousand Faces* (1949) über David Adams Leemings *The Oxford Companion to World Mythology* (2005) bis zur enzyklopädischen *Mythical Creatures Bible* von Brenda Rosen (2009).

Praktische Tipps

Für einen kulturübergreifenden Überblick ist Joseph Campbells *The Power of Myth* (1988, mit Bill Moyers) der zugänglichste Einstieg; wer es wissenschaftlicher mag, greift zu Mircea Eliades *Das Heilige und das Profane* (1957) und Carl Jungs *Die Archetypen und das kollektive Unbewusste* (1959, *Gesammelte Werke* Bd. 9, Teil 1) — das sind die Grundlagentexte für die archetypische Lesart. Praktisch lohnt sich ein persönlicher Vergleich: Wähle drei Wesen aus drei voneinander unabhängigen Traditionen — etwa den chinesischen Drachen, den griechischen Phönix und den nordamerikanischen Donnervogel —, lies die Primärquellenbeschreibungen und notiere, was jedes Wesen in seiner Tradition tatsächlich tut, nicht was zeitgenössische New-Age-Quellen daraus gemacht haben. Der Unterschied zwischen quellennaher und moderner Symbolik ist erheblich und lohnt den direkten Vergleich.