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Definition

Kabbalah ist eine jüdisch-mystische Tradition, die sich mit der verborgenen Struktur der Gottheit, des Kosmos und der menschlichen Seele befasst. Ihr zentrales Modell ist der Lebensbaum — zehn Sephirot (göttliche Emanationen), verbunden durch zweiundzwanzig Pfade — der beschreibt, wie das unendliche *Ein Sof* in die materielle Welt einfließt. Die Tradition umfasst Textstudium, meditative Praxis und eine ausgearbeitete Kosmologie, die sich über etwa zwei Jahrtausende entwickelt hat.

Ausführliche Erklärung

Der Lebensbaum steht im Mittelpunkt der kabbalistischen Kosmologie. Die zehn Sephirot — von *Keter* (Krone) über *Chokhmah*, *Binah*, *Chesed*, *Gevurah*, *Tiferet*, *Netzach*, *Hod*, *Yesod* bis hin zu *Malkuth* (Königreich) — stehen für aufeinanderfolgende Stufen göttlicher Emanation, jede mit eigenen Qualitäten und Entsprechungen. Die zweiundzwanzig Verbindungspfade sind den Buchstaben des hebräischen Alphabets zugeordnet, die die Kabbalah als Bausteine der Schöpfung betrachtet. Praktizierende arbeiten mit diesen Strukturen durch Tora-Studium, kontemplatives Gebet und Gematria — die numerologische Analyse hebräischer Wörter. Die lurianische Kabbalah fügt das Konzept des *Tzimtzum* hinzu — Gottes Selbstrückzug, um Raum für die Schöpfung zu schaffen — sowie *Tikkun Olam*, die Wiederherstellung eines kosmischen Bruchs durch menschliches Handeln. Die chassidische Kabbalah ab dem 18. Jahrhundert brachte diese Ideen ins alltägliche Frömmigkeitsleben, statt sie auf gelehrte Kreise zu beschränken.

Geschichte & Ursprünge

Der früheste datierbare kabbalistische Text ist der *Sefer Yetzirah* (Buch der Schöpfung), der wahrscheinlich zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert n. Chr. in Palästina oder Babylonien entstand. Er beschreibt die zweiunddreißig Weisheitspfade und die Rolle der hebräischen Buchstaben bei der Schöpfung. Der einflussreichste Text der Tradition, der *Sohar*, tauchte im Spanien des 13. Jahrhunderts auf — Moses de León verbreitete ihn um 1280 und schrieb ihn dem Rabbi Schimon bar Jochai aus dem 2. Jahrhundert zu, obwohl die moderne Forschung, beginnend mit Gershom Scholems Arbeiten im 20. Jahrhundert, de León als Hauptverfasser identifiziert hat. Isaak Luria (der Ari) veränderte die Kabbalah im 16. Jahrhundert in Safed, Galiläa, grundlegend, indem er das lurianische System entwickelte, das die Tradition bis heute prägt. Scholems Buch *Major Trends in Jewish Mysticism* von 1941 begründete die akademische Erforschung der Kabbalah als historische Disziplin. Die hermetische Kabbalah — eine nichtjüdische Weiterentwicklung — entstand in der Renaissance und wurde später vom Hermetic Order of the Golden Dawn systematisiert, der 1888 in London gegründet wurde.

Praktische Tipps

Gershom Scholems *Major Trends in Jewish Mysticism* (1941) ist nach wie vor der solideste Einstieg für alle, die verstehen wollen, was Kabbalah tatsächlich ist, bevor sie sich mit der Praxis befassen. Daniel Matts mehrbändige Übersetzung des *Sohar* (Stanford University Press, 2004–) ist die maßgeblichste englische Ausgabe des Kerntexts — gut lesbar und ausführlich kommentiert. Wer mit dem Lebensbaum strukturell arbeiten möchte, findet in Dion Fortunes *The Mystical Qabalah* (1935) eine ehrliche Darstellung der hermetischen Kabbalah-Linie, einschließlich der Stellen, wo sie von den jüdischen Quellen abweicht. Am besten mit Scholem anfangen und dann den Zweig wählen — jüdisch oder hermetisch — der dem eigenen Interesse wirklich entspricht.