Siderische Astrologie
AstrologieDefinition
Sidereal Astrology ist ein astrologisches System, das Planetenpositionen anhand der tatsächlich sichtbaren Fixsterne bestimmt — also nach dem realen Stand der Sternbilder am Himmel, nicht nach den jahreszeitlichen Abschnitten. Der Unterschied zur tropischen Astrologie liegt in der sogenannten Ayanamsha: einer Abweichung von etwa 24 Grad, die sich durch die Präzession der Erdachse zwischen beiden Systemen aufgebaut hat.
Ausführliche Erklärung
Der entscheidende Unterschied zwischen siderischer und tropischer Astrologie liegt darin, wo der Tierkreis beginnt. Die tropische Astrologie richtet sich nach dem Frühlingspunkt — Widder fängt also immer um den 21. März an, egal wo die Sterne gerade stehen. Die siderische Astrologie orientiert sich dagegen an den Fixsternen selbst, konkret am Sternhaufen Spica oder am Stern Aldebaran, je nachdem welche Ayanamsha verwendet wird. Die am weitesten verbreitete Variante in der vedischen Astrologie (*Jyotisha*) ist die Lahiri-Ayanamsha, die 1955 offiziell von der indischen Regierung übernommen wurde. Die westliche siderische Astrologie — eine kleinere Tradition — arbeitet mit der Fagan-Bradley-Ayanamsha, die Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. In der Praxis bedeutet das: Das siderische Sonnenzeichen der meisten Menschen liegt ein Zeichen früher als das tropische. Ein tropischer Skorpion ist siderisch oft eine Waage.
Geschichte & Ursprünge
Das Wort „siderisch“ stammt vom lateinischen *sidereus*, was „zu den Sternen gehörig“ bedeutet, abgeleitet von *sidus* (Stern oder Sternbild). Die Praxis selbst ist alt — babylonische Astrologen des ersten Jahrtausends v. Chr. verfolgten Planetenpositionen anhand von Fixsternen, und die frühe hellenistische Astrologie enthielt noch starke siderische Elemente, bevor das tropische System in der griechisch-römischen Welt die Oberhand gewann, maßgeblich durch Claudius Ptolemäus' *Tetrabiblos* (ca. 150 n. Chr.). Die indische Astrologie (*Jyotisha*) hat den siderischen Rahmen durchgehend bewahrt und verwendet ihn bis heute als Standard. Im Westen wurde die siderische Tradition im 20. Jahrhundert vom irischen Astrologen Cyril Fagan wiederbelebt, der 1950 *Zodiacs Old and New* veröffentlichte. Donald Bradley verfeinerte später die Ayanamsha-Berechnung, die westliche siderische Praktizierende noch heute nutzen.
Praktische Tipps
Wer das eigene siderische Horoskop berechnen möchte: Sowohl Astro.com als auch AstroSeek erlauben es, das Tierkreissystem in den Diagrammeinstellungen umzustellen — unter Haussystem nach „Siderisch“ suchen und dann entweder die Lahiri-Ayanamsha für den vedischen Stil oder Fagan-Bradley für die westliche siderische Variante wählen. Für *Jyotisha* gilt *Light on Life* von Hart de Fouw und Robert Svoboda als eine der gründlichsten englischsprachigen Einführungen. Für die westliche siderische Tradition sind Cyril Fagans Originalschriften schwerer aufzutreiben, aber die Suche lohnt sich. Sonne, Mond und Aszendent verschieben sich dabei meist um ein Zeichen — es macht Sinn, beide Deutungen in Ruhe zu lesen, bevor man entscheidet, welche mehr zutrifft.
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