Zurück zu Astrologie

Definition

Ein Decan ist eine 10-Grad-Unterteilung eines Sternzeichens — jedes der zwölf Zeichen zerfällt so in drei Decane, die jeweils von einem anderen Planeten regiert werden und die Ausdrucksweise des Zeichens feiner differenzieren.

Ausführliche Erklärung

Jedes Sternzeichen umfasst 30 Grad und teilt sich in drei Decane zu je 10 Grad auf. Der erste Decan (0–9°) gilt als reinste Ausprägung des Zeichens und steht unter dem Einfluss des zeicheneigenen Planeten. Der zweite (10–19°) und dritte Decan (20–29°) werden von den Herrscherplaneten der nächsten zwei Zeichen desselben Elements mitgeprägt. Beim Widder zum Beispiel regiert Mars den ersten Decan (reines Widder-Prinzip), die Sonne den zweiten (bringt Löwe-Wärme und Kreativität hinzu) und Jupiter den dritten (fügt schützische Weite und Optimismus hinzu). Das erklärt, warum sich Widder mit frühen Graden und solche mit späten Graden manchmal kaum ähneln. Decane gehören zu den ältesten Verfeinerungstechniken der Astrologie und helfen zu verstehen, warum Sonnenzeichen-Horoskope nicht für alle Geborenen unter demselben Zeichen gleich gut passen.

Geschichte & Ursprünge

Das Decan-System stammt aus dem alten Ägypten, wo es im Alten Reich (ca. 2700–2200 v. Chr.) entwickelt wurde. 36 Sterngruppen — auf Ägyptisch *baktiu* — markierten die Nachtstunden durch den heliakischen Aufgang aufeinanderfolgender Sterngruppen im Abstand von etwa zehn Tagen. Dokumentiert ist das System auf den diagonalen Sternuhren, die auf Sargdeckeln des Mittleren Reichs (ca. 2055–1650 v. Chr.) gemalt wurden. Die Ägypter nutzten Decane in erster Linie zur Zeitmessung, nicht zur Divination. Hellenistische Astrologen integrierten die 36 Decane zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. in die zwölf Tierkreiszeichen. Ptolemäus beschreibt in seinem *Tetrabiblos* (ca. 150 n. Chr.) sowohl die chaldäische Planetenherrschaft der Decane als auch die ägyptischen *prosopa*. Marsilio Ficino griff das System in *De Vita Coelitus Comparanda* (1489) für die Renaissance wieder auf; Austin Coppocks *36 Faces* (2014) ist die bislang gründlichste moderne Aufarbeitung.

Praktische Tipps

Auf astro.com kannst du nachsehen, in welchem Grad deine Sonne steht — 0–9° bedeutet erster Decan, 10–19° zweiter, 20–29° dritter. Der einfachste Einstieg: Lies die Qualitäten des Herrscherplaneten deines Decans zusammen mit deiner Sonnenzeichen-Beschreibung. Eine Sonne bei 17° Widder ist also Widder mit einem sonnen- und löwegefärbten zweiten Decan. Wer tiefer einsteigen will, findet in Austin Coppocks *36 Faces* (2014) die umfassendste Einzelreferenz; für einen kürzeren Einstieg behandeln Liz Greene und Howard Sasportas in *Dynamics of the Unconscious* (1988) die Planetenherrschafts-Logik der Decane gut verständlich. Gewichte Decane aber nicht über die großen Horoskoppunkte hinaus — sie sind eine Verfeinerungsebene, kein Fundament.